Mittwoch, 4. März 2026

Meine persönliche Antwort auf die Bischofsweihe der FSSPX: Die katholische Tradition ist die größte Gnade meines Lebens

Viel hört man derzeit über die angekündigten Bischofsweihen der Piusbruderschaft am 1. Juli. Manche sprechen von einem Schisma, andere begrüßen die Weihen, und die Piusbruderschaft selbst begründet diesen Schritt mit dem Heil der Seelen.

Ich selbst gehe seit einigen Jahren zur Messe der Piusbruderschaft, bin aber ursprünglich ein Kind der modernen „Amtskirche“. Ich will gar keine kirchenrechtlichen Stellungnahmen abgeben – dazu bin ich weder berufen noch qualifiziert. Stattdessen möchte ich sagen, wofür ich der Piusbruderschaft und der katholischen Tradition dankbar bin.

Dazu möchte ich meine Geschichte erzählen, damit man versteht, was ich meine.

Im Jahr 2005 spendete ein Weihbischof in einer Gemeinde des Bistums Aachen das Sakrament der Firmung. Danach erzählte er von seinem Lebensweg. Das hat mich damals – ich war Teil einer charismatischen Jugendgruppe – sehr angesprochen. Zum ersten Mal dachte ich ernsthaft darüber nach, Priester zu werden.

Ich besuchte ein bischöfliches Gymnasium. Dort kam der erste Schock. Der Religionsunterricht war ausgesprochen liberal. Grundlage war das Buch „Unseren Glauben verstehen“ des Jesuiten Peter Knauer. Der Frankfurter Fundamentaltheologe verwirrte mich zutiefst: Er stellte die Existenz der Engel infrage und löste vieles auf, was für mich zuvor selbstverständlich gewesen war. Anfangs widersetzte ich mich innerlich, aber mit der Zeit ließ dieser Widerstand nach.

2008 ging ich dann ins Priesterseminar in Münster. Zu diesem Zeitpunkt hatten die liberalen Thesen bereits Spuren hinterlassen. Doch während des Studiums kam der zweite Schock. Es war nicht nur „liberal“, sondern im Grunde fehlte jede theologische Tiefe. Vieles wirkte niveaulos und schräg – so erlebte ich Theologie an einer deutschen Universität.

Der Lehrstuhl für Dogmatik war damals unbesetzt und wurde ersatzweise von einer heut im Synodalen Weg aktiven Theologin vertreten, die eigentlich für ökumenische Theologie zuständig war. Der Inhalt der Vorlesungen führte dazu, dass einige bereits im ersten Semester das Studienfach wechselten. Die Zeiten von Ratzinger und Rahner schienen lange vorbei zu sein. Namen großer vorkonziliarer Theologen kannte kaum noch jemand. Es herrschte eine Atmosphäre des Niedergangs.

Die Zeit der klassischen Theologie schien vorbei zu sein. Stattdessen betrachteten wir Bilder und sprachen über die Tragik der menschlichen Existenz und die Vergänglichkeit des Lebens. Von manchen Professoren hieß es immer wieder, sie hätten sich nur für ihren Lehrstuhl zum Priester weihen lassen, glaubten aber selbst nicht mehr an das, was sie lehrten. Die Bischöfe trafen sich regelmäßig mit den Professoren und schienen weniger an der Wahrung der Rechtgläubigkeit interessiert zu sein als an einem guten Verhältnis.

Dann kam 2010 die Missbrauchskrise. Hinzu kam 2011 ein Interview des damaligen Regens von Münster bei 3sat, in dem er erklärte, etwa fünfzig Prozent der Priester seien homosexuell. Kurze Zeit später legte er sein Priesteramt nieder.

Ebenfalls 2010 ging ich für ein Jahr nach Chicago, an die Catholic Theological Union. Der dritte Schock. Es war die Hochschule, an der auch Leo XIV. studiert hatte. Teilweise hatte ich dieselben Professoren wie der Papst. Die Hochschule warb mit dem „Spirit of Vatican II“ und mit Kardinal Bernardin. Damals wusste ich noch nicht, dass dies absolute Warnsignale sind.

Dort sah ich Ordensgeistliche ohne Habit, Schwestern in weltlicher Kleidung. Im Umfeld dieses „Spirits“ erlebte ich Messen – sofern es überhaupt noch Messen waren – etwa von Pfarrer Michael Pfleger, der eher wie ein linker Prediger wirkte als wie ein Priester. Ich besitze noch einige Bücher aus dieser Zeit, etwa „Liberation Theologies in the United States“, mit Kapiteln wie „Gay and Lesbian Theologies“ oder „Feminist Theology“. Vor dem Konzil wäre so etwas wohl direkt auf dem Index gelandet. Als mir das alles zu viel wurde, zog ich in den Norden Chicagos und besuchte das dortige Priesterseminar, das Mundelein Seminary. Dort war damals der heutige Bischof Barron Professor für Dogmatik.

2011, nach meiner Rückkehr aus den USA, verließ ich das Priesterseminar. Ich setzte mein Studium dennoch fort – ich wollte nach all dem wenigstens einen Abschluss haben. Außerhalb der Ordnung des Seminars und der kirchlichen Strukturen wurde mir nun immer deutlicher, wie tief die Krise reichte. Mir schien, als sei die Amtskirche am Ende: Der Glaube war vielerorts verschwunden. Es gab noch einige, die sich konservativ nannten und moralische Ansprüche vertraten – besonders in Fragen der Sexualität oder der Abtreibung –, aber einen lebendigen Glauben, wie ihn die Heiligen hatten, einen Glauben, der Berge versetzen kann, der Löwen beruhigt wie Daniel und Wunder wirkt, den gab es nicht mehr. Ein Student sagte einmal halb im Scherz, halb im Ernst, man habe ja inzwischen sogar die Hölle abgeschafft. Es war ein Satz, der mir im Gedächtnis blieb.

Ich wusste schließlich nicht mehr, was man überhaupt noch glauben konnte. Eine Zeit lang arbeitete ich weiter an der Universität, aber innerlich war ich orientierungslos. Im Grunde war ich inzwischen völlig verweltlicht – mit dem Unterschied, dass ich sehr darunter litt. Ich hatte das Gefühl, etwas Heiliges verloren zu haben. Aber es gab keinen Weg zurück und keinen Halt, der meinen Fall hätte auffangen können.

Wie schrieb Nietzsche über den Gottestod: „Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen
Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todtengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? — auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besass, es ist unter unseren Messern verblutet…“

2017 verbrachte ich viel Zeit im Dom zu Münster. Im Sommer verließ ich schließlich die Stadt. Es reichte. Zwangsgendern an der Universität, ein grüner Zeitgeist, der alles Göttliche erstickte – ich hielt es nicht mehr aus. Ich zog nach München. Doch ich war ein „ausgebildeter Modernist“. Ich wusste, dass sich in der Kirche etwas grundlegend verändert hatte, und mir war klar, dass halbe Lösungen mich nicht zufriedenstellen würden. Ein „bisschen konservativ“ gab mir keinen Frieden. Es erschien mir unehrlich angesichts der großen Krise. Anfangs ging ich häufiger zur Petrusbruderschaft in der Damenstiftskirche.

2019 besuchte ich zum ersten Mal die Piusbruderschaft in München. Ich war beeindruckt: klare Sprache, tiefer Glaube, Einfachheit. Hier begegnete ich einem Katholizismus, den ich verloren geglaubt hatte – verschüttet, aber nicht erloschen.

2020 zog ich zurück in die Gegend von Aachen und ging nun regelmäßig zur Piusbruderschaft. Seit Mai 2022 besuche ich ausschließlich die Alte Messe. Mein Weg zur Tradition hat nichts mit einer Vorliebe für Dreiteiler, antiquierten Sprachstil oder romantische Vorstellungen vom 19. Jahrhundert zu tun. Es geht vielmehr darum, dass ich in der katholischen Tradition den wahren Glauben erkenne – den Glauben, der zu Gott führt, zu Christus und in das Himmelreich. In der Tradition findet eine lange und tiefe Sehnsucht Ruhe. Ich konnte die alten Dinge hinter mir lassen und wieder Halt finden.

Hier begegnet man dem Glauben der Heiligen: von Petrus und Paulus über Benedikt von Nursia, Katharina von Siena, Ignatius von Loyola und Alfons von Liguori bis zu Pius X. und den Märtyrern der jüngeren Zeit. All die Wege, die ich zuvor gegangen war, konnten meinen Glauben nicht wirklich nähren. Die katholische Tradition kann es. Ich bin noch immer geprägt von Fehlern meiner Vergangenheit. Aber ich will sie nicht mehr.

Der Römische Katechismus schreibt über den Himmel: „Die Herrlichkeit der Seligen wird unermesslich sein; ungezählt sind die Quellen vollkommener Freuden und Wonnen.“ Die Sehnsucht unseres Herzens wird vollkommen erfüllt werden. Die eigentliche Seligkeit „besteht in der Anschauung Gottes und im genussvollen Auskosten der Schönheit dessen, der die Quelle und der Ursprung aller Güter und Vollkommenheit ist“.

Das ist die Hoffnung, die die katholische Tradition schenkt. Sie weist uns den Weg zum Himmel und zur Erfüllung aller Sehnsucht.

Es gibt keinen besseren, keinen schöneren und keinen freieren Weg als diesen – einen Weg, der uns frei und heilig macht und uns dankbar vor der Herrlichkeit Gottes knien lässt. Ich habe wieder alles zurückerhalten, was ich brauche: Kampfgeist, Gnadenmittel und Gebete im Kampf gegen die Sünde, den Rosenkranz, Frömmigkeitsformen und Andachten zur Heiligung. Und ich habe auch etwas Neues gefunden: die Alte Messe – die große Stärkung für jeden Katholiken.

Wenn wir die Kirchenkrise unserer Tage sehen und wir sehen, dass die Päpste das zulassen, wie können wir dann diejenigen angreifen, die diese Katastrophe aktiv bekämpfen? Ich will aber positiv enden, denn wir haben einen großartigen Gott, der auch auf krummen Zeilen gerade schreibt. Dass ich durch Gottes Gnade zur katholischen Tradition gefunden habe – das ist die größte Gnade meines Lebens.


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