Samstag, 11. April 2026

Pius XII.: Appell an die deutschen Katholiken

Vom 13.-17. Mai 2026 findet der Katholikentag Würzburg statt, und dieser steht ganz im Zeichen der deutsch-synodalen Konfusion. Einfach gläubige Katholiken treten ein für den Schutz des ungeborenen Lebens. Was weiß der Katholikentag davon? Es gibt keine Veranstaltung dazu. Zahlreiche einfach gläubige Katholiken sind der Auffassung, dass sowohl die Abtreibung als auch der assistierte Suizid im Widerspruch zu Art. 1 GG stehen, zur Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Sie verneinen entschieden die Kindestötung ebenso wie die Euthanasie. Viele von ihnen nehmen teil an den Märschen für das Leben, andere beten inständig dafür, dass statt Politiker in ganz Europa nicht für ein zutiefst inhumanes, diabolisches „Menschenrechts auf Abtreibung“ eintreten, sondern sich zur „Ehrfurcht vor dem Leben“ (Albert Schweitzer) bekennen, von der Empfängnis bis zum letzten Atemzug. Was finden wir im Programm des Katholikentags davon? Nichts. Stattdessen wird dort dem säkularen Credo des menschengemachten Klimawandels gehuldigt und das hohe Lied der Diversität angestimmt: „Wie gestalten wir die Welt von morgen, ohne heute neue Ungerechtigkeiten zu verursachen? Wie gelingt in der aktuellen Phase von Krisenhäufungen gute Kommunikation zwischen Staat und Bürger:innen? Wie finden wir einen angemessenen Umgang mit Ressourcen, schützen Klima und Biodiversität und wirtschaften zukunftsfähig?“

Es ist Zeit, sich an die Worte des großen Papstes Pius XII. zu erinnern, der am 10. August 1952 die Katholiken im geteilten Deutschland grüßte, die sich in Berlin zum Katholikentag versammelten. Pius XII. greift das Leitwort des Katholikentages auf – „Gott lebt!“ und schreibt:

„Ja, Gott lebt, und seine Macht erstreckt sich von einem Ende zum anderen und durchwaltet vollkommen das All (cfr. Sap. 8, I). Auch die Großstädte, die wenig mehr das Zeichen des Gottesglaubens an der Stirn tragen, auch die Schichten von Menschen, die Gott an den Rand der Dinge geschoben und vergessen haben, auch jene, die bewusst sein Dasein leugnen und für die Gottlosigkeit werben, sie wie alles leben in ihm, bewegen sich in ihm und sind in ihm.“ Er erinnert an Friedrich Nietzsche, der das „furchtbare Wort“ prägt: „Gott ist tot.“, und ruft dazu auf, dass der Katholikentag die „flammende Verwahrung“ gegen jeden Atheismus sein sollte, um über ganz Deutschland kundzutun: „Gott lebt! Wir beugen unsere Knie vor ihm, bereit, in allem seinen Willen zu erfüllen.“

Pius XII. ermahnt die Katholiken damals und uns heute:

„Lebt im Bewusstsein der unbedingten und überzeitlichen Wahrheit eures Glaubens! Ihr seid stolz auf ihn, weil er der Glaube eurer Väter ist, weil er im Lauf der Jahrhunderte hohe Kulturwerte schuf, weil er ein religiöses Brauchtum ausbildete, das der harten Arbeit des Alltags heilige Weihe gab und Herz, Heim und Familie mit dem Frieden des christlichen Sonntags und den Freuden der katholischen Hochfeste erfüllte, Friede und Freuden, die durch keinen Taumel des Vergnügens sich ersetzen lassen.“ Zugleich ruft er ins Gedächtnis, dass die „geschaffenen Werte“ diesseitig blieben, dass nie „ein Letztes“ seien, sondern einzig und allein die Wahrheit des Glaubens und die Gnade des allmächtigen Gottes. Geschichtliche Größen seien nicht von Dauer, nur der Herr, gestern, heute und morgen, bleibt: „Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das ihr jeden Tag mit demütigem Dank entgegennehmen sollt; er ist eine Gnade, die ihr nur durch beharrliches Gebet festhalten könnt; er ist ein überirdisches Glück, das ihr in diesen freudlosen Zeiten euch nicht entwenden lassen dürft; er ist aber an erster Stelle Wahrheit, unbedingte, seinsmäßige Wahrheit, deren Grund ihr klar erkennen könnt und tief in euer Bewusstsein einsenken möget. Dann wird er Segen und Gnade, Glück und Kraft wirken – auch in der Hoffnungslosigkeit der Gefangenschaft, auch im Frohndienst der kaum mehr unterbrochenen schweren Alltagsarbeit.“

Pius XII. nennt den glauben einen „unermesslichen Reichtum“, und dieser Glaube steht der Weltanschauung des Materialismus entgegen, ebenso dem Kommunismus und auch heute dem besinnungslosen Hedonismus, nicht weniger dem Relativismus und der Ideologie der Selbstverwirklichung:

„Der Materialismus kann als Höchstes nur Macht und Gewalt gelten lassen, der Glaube setzt das Recht über die Macht, vor allem die Menschenrechte, bestimmte Rechte des Einzelnen und der Familie. Sie sind ursprünglich und unveräusserlich. Sie sind da vor jeder irdischen Gewalt, auch vor der Staatsmacht. Der Staat ist berufen, sie anzuerkennen und zu schützen. Sie können auch nie dem Gemeinwohl geopfert werden. weil sie gerade wesentlicher Bestandteil desselben sind. Das ist katholische Weltanschauung!“

Wer – auf heutige Zeit gewendet – das Recht auf Abtreibung als „Menschenrecht“ deklariert, der gehört zu den gottlosen Jüngern Nietzsches und erliegt der Versuchung des Bösen. Der Katholik kann und muss für den Schutz des Lebens einstehen, ob gelegen oder ungelegen. Er darf sich dabei – 1952 nicht anders als 2026 – im Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte beheimatet wissen, denn „Glaube ist Heimat“. Pius XII. schreibt:

„Im Glauben und als Kinder der Kirche seid ihr euch selbst nicht fremd und auch den anderen nicht. Sie sind eure Brüder und Schwestern, alle einig in den gleichen innersten und höchsten Ueberzeugungen, in gegenseitiger Achtung und Liebe, um Gottes und Jesu Christi willen, der in der hl. Eucharistie sein Zelt unter euch aufgeschlagen hat. Wo ihr die Kirche findet, da findet ihr ein Stück Heimat.“

Die Kirche lebt dabei freilich nicht in Gremien oder Synoden, nicht in Papieren oder in Strukturdebatten, sie lebt dort, wo Eucharistie gefeiert wird, sie lebt dort, wo die Anbetung des Allerheiligsten möglich ist, und sie lebt dort, wo in gotteskindlicher Treue gebetet wird, in der begründeten Hoffnung darauf, dass „unsere eigentliche Heimat der Himmel“ ist.

Pius XII. appelliert an die Deutschen:

„Seid ein Volk von Betern, die Priester an der Spitze, dann braucht ihr nicht zu bangen um die kommenden Dinge, so verschleiert sie augenblicklich vor euch liegen mögen. Beschwört und bestürmt den allmächtigen und barmherzigen Gott, dass Er in unendlicher Weisheit, Huld und Güte seine Vorsehung und Gnade über die ganze Welt hin walten lasse. Geht sodann jeden Tag mit neuem gutem Willen an die hehre Aufgabe heran, eurem Glauben entsprechend zu leben.“

Wir mögen uns in der Nacht unserer Weltenzeit für die Wahrheit des Glaubens einstehen und uns der Fürbitte von Pius XII. anvertrauen. So darf ich sagen, was mich selbst betrifft: Ich bete zu diesem Papst wie zu einem Heiligen. Darum bete ich: Heiliger Pius XII., bitte für uns!

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