Es ist eine eigenartige Sache.
Auf der einen Seite ist der Glaube an Christus die größte Hoffnung der Menschheit, und die katholische Tradition die wunderschöne und wahre Religion, reich an Tiefe, Weisheit und Schönheit. Dennoch findet sich – gerade innerhalb der Tradition – mitunter eine Haltung, die mit übergroßem Ernst reagiert und daraus den Impuls gewinnt, sich innerlich oder äußerlich abzusondern. Auch auf dem „Cathwalk“ ist dieses Phänomen verbreitet.
Doch kann es darum gehen? Tradition soll kein Raum sein für „besondere Christen“, sondern ein Ort in der Welt, an dem es nicht um die Welt geht. Die Versuchung besteht, herablassend auf andere blicken, die das nicht verstehen. Das aber nicht keine geistliche Haltung, sondern eine Form von Eitelkeit..
Absonderung kann nötig sein, aber es kann auch eine Art von geistlichem Snobismus sein. Im Kern sollte es um eine Verwandlung gehen: dass wir mehr lieben. mehr Geduld haben, mehr Barmherzigkeit, mehr Aufmerksamkeit – gerade für die Armen, die Verlorenen, die Suchenden. Wenn Tradition nicht zu mehr Liebe führt, stimmt etwas nicht. Es wird dann immer mehr zu einer altweltlich-kulturellen Abgrenzung, einem Catwalk der Eitelkeiten.
Kürzlich hörte ich das Lied:
„Auf das, was da noch kommt,
auf jedes Stolpern, jedes Scheitern.“
Auch wenn diese Worte eine Leichtigkeit ohne große Tiefe haben mögen, scheint mir doch, dass wir eine gewisse Leichtigkeit nicht verlieren sollten. Eine Leichtigkeit und eine Demut, die uns vor geistlicher Selbstüberhöhung bewahrt. Vielleicht kann hier sogar eine gewisse Berliner Mentalität helfen: weniger teure Kleidung, mehr Einfachheit, weniger Selbstbedeutung, stattdessen mehr über sich selbst lachen.
Nächstenliebe ist dabei ein wirksames Mittel gegen Eitelkeit. Wer sich dem Lästigen zuwendet, dem ganz Anderen zuhört und den Kritiker zu Wort kommen lässt, wird demütiger.
Denen, die glauben, gereicht alles zum Guten (vgl. Röm 8,28). Nicht weil alles gut wäre, sondern weil Gott souverän ist. Wenn Gott es nicht zuließe, würde es nicht geschehen. Jedes Haar auf unserem Kopf ist gezählt (vgl. Mt 10,30). Gott ist nicht Zuschauer der Geschichte, sondern Herr der Zeit.
Jede Zeit ist Gottes Zeit. Es liegt daher an uns, diese Zeit der Glaubenslosigkeit im Vertrauen auf Gottes Souveränität zu leben. Vielleicht besteht Gottvertrauen heute darin, mitten unter den Menschen zu bleiben und durch die Tradition ein Mensch der großen Hoffnung zu werden, der trotz allem mehr liebt, und mehr hofft – weil er das wahre Messopfer und die Schönheit des Glaubens kennt.