Exkommunikation! – Was mache ich jetzt?

„Was machst Du jetzt?“, war die Frage, die mir in einer WhatsApp gestellt wurde, mit dem Link zur Exkommunikation nach der Bischofsweihe der Piusbruderschaft. Ja, was mache ich denn jetzt? Meide ich jetzt die Piusbruderschaft? Bin ich exkommuniziert, außerhalb der Kirche, außerhalb der Arche des Heils und zur Hölle verdammt?

Im Internet fand man erwartungsgemäß die typischen Reaktionen: Sedisvakantisten wie Novus Ordo Watch warfen der Piusbruderschaft Inkonsequenz vor – man könne nicht einen Papst anerkennen und zugleich seine Exkommunikation ablehnen. Piusnahe Kreise wie Kennedy Hall veröffentlichten sofort YouTube-Videos und sagten: Alles sei ungültig, es gebe weder eine Exkommunikation noch ein Schisma. Konservative wie Magstrauss sagten, man könne sich nicht einseitig auf einen Notstand berufen. Auf der Website der Piusbruderschaft findet sich ein Brief des Distriktoberen, des Chefs der Piusbruderschaft in Deutschland, der am Sonntag anstelle der Predigt in den Messen der Bruderschaft verlesen wurde und in dem er sagt: „Wir haben kein Schisma begangen! … Die behauptete Exkommunikation ist ungerecht und ungültig.“

Ich muss sagen, dass mich die Härte der päpstlichen Entscheidung trifft. Nicht, weil ich in den letzten Jahren besonders unkritisch war, was im Vatikan passiert, sondern weil ich, wie viele zehntausend andere Menschen, nicht bei der Piusbruderschaft zur Messe gehe, weil wir wie Luther eine neue Kirche gründen, schismatisch und rebellisch sein wollen, sondern einfach nur katholisch. Ähnlich wie mir geht es vielen: Wir haben es jahrelang versucht, in den offiziellen Strukturen der Kirche unseren Glauben zu bewahren. Ich selbst war Messdiener, sogar im modernen Priesterseminar, und nicht mal besonders konservativ – aber das Katholische war mir immer wichtig, es ist meine Identität. Und es schmerzt sehr, wenn man sieht, wie die Amtskirche mit dem Glauben umgeht: Es gibt linkspolitische Messen, es gibt Maria 2.0, es gibt in Münster zunehmend Ausstellungen wie in der Überwasserkirche, in denen menschliche Skulpturen ausgestellt werden, bei denen man sich fragt, ob das noch jugendfrei ist. Es gibt den Synodalen Weg, Priester, die kein Interesse an wirklichem Glauben haben. All das wird nicht exkommuniziert oder bestraft, sondern steht anscheinend in Einheit mit der Amtskirche. Ich war nach jahrelangen Erfahrungen in der modernen katholischen Kirche wie ein Dürstender in der Wüste.

Ich erinnere mich an das Jahr 2009. Der Lehrstuhl für Dogmatik war damals in Münster verwaist und wurde ersatzweise von Dorothea Sattler vertreten, die eigentlich für „ökumenische Theologie“ zuständig war. Der Inhalt der Vorlesungen führte dazu, dass einige bereits im ersten Semester das Studienfach wechselten. Selbst die liberalen Zeiten von Ratzinger und Rahner waren lange vorbei. Die Namen vorkonziliarer Größen kannte niemand mehr. Es herrschte eine Stimmung des Niedergangs. Die Zeit der Theologie war passé. Wir lernten mit Bildern etwas über die Tragik der menschlichen Existenz und die Vergänglichkeit des Lebens. Es gab Professoren, von denen es immer wieder hieß, sie hätten sich nur für ihren Lehrstuhl zum Priester weihen lassen, glaubten aber selbst nicht an das Ganze. Die Bischöfe trafen sich regelmäßig mit den Professoren und schienen nicht an der Einhaltung der Rechtgläubigkeit interessiert, sondern an einem guten Verhältnis. Hinzu kam die Missbrauchskrise 2010 und die Stellungnahme des damaligen Regens von Münster in einem 3sat-Interview, in dem er behauptete, 50 Prozent der Priester seien homosexuell. Kurze Zeit später gab er sein Priesteramt auf.

Diese Ausprägung des Christentums hat fertig. Sie besitzt keine lebendige Kraft mehr. Es ist vorbei. Das gegenwärtige akademische Christentum hat keinen Glauben, aus dem Märtyrer hervorgehen könnten – keinen, vor dem die Löwen zurückweichen, wie sie es vor der Gestalt des heiligen Daniel und der heiligen Märtyrerin Blandina taten.

Ich kann nicht ohne meinen Glauben leben, aber in der modernen Kirche kann ich auch nicht mit ihm leben. Ich habe es an anderer Stelle schon einmal gesagt: Die katholische Tradition ist die größte Gnade meines Lebens, und dabei bleibe ich. Die nachkonziliare Entwicklung hat die Kirche und den Glauben in seiner Substanz angegriffen. Das ist, meine ich, keine bloße Meinung, sondern eine nachweisbare Tatsache.

Auf der Seite „Der Bewahrer“ las ich Folgendes in Bezug auf die Bischofsweihen:

„Schauen wir uns den Kontrast an. Hier Rom, dort die Tradition. Auf der einen Seite erleben wir den „Tücherlege-Katholizismus“. Da wird in Workshops getöpfert, Stellwände werden geschoben, der Boden wird mit bunten Stoffen ausgelegt – bloß keine Kanten, bloß keine Schwelle, die man überwinden muss. „Niedrigschwellig“ ist das Wort der Stunde. Man biedert sich an die Welt an, man macht sich klein, man macht sich weich, man macht sich – am Ende des Tages – vor allem eines: überflüssig.

Und auf der anderen Seite? Da steht Pater Lang in unserer kleinen Kapelle. Es ist ein Sommertag, die Luft steht, die Hitze drückt wie ein Mühlstein auf die Schultern. Die Stirn glänzt, das Gewand klebt, aber Pater Lang zieht durch. Er verzieht keine Miene. Er kennt das Ziel. Er weiß, dass er an etwas arbeitet, das größer ist als ein bisschen körperliches Unbehagen; da sind zwei Liter Schweiß kein Hindernis, sondern eine Nebensächlichkeit. Es gibt keine Zugeständnisse an die Bequemlichkeit – nicht an uns, nicht an sich selbst. Und das Erstaunliche: Die Leute kommen trotzdem. Sie bleiben, sie harren aus.

[..]

Rom erträgt das nicht. Die Kirchenfunktionäre können nicht begreifen, warum ihre „niedrigschwelligen“ Angebote in den Pfarreien ignoriert werden, während die Leute bei der Tradition – wo man keine Konzessionen an die Welt macht – stundenlang in der Hitze ausharren.
Sie haben keine Antwort darauf. Ihr einziger Reflex ist immer das gleiche, alte Muster: „Härte“ ist für sie böse, „Strenge“ ist für sie rückständig. Sie versuchen es weiter mit Stellwänden und Dialog-Gruppen, während die Kapelle der Piusbruderschaft aus allen Nähten platzt. Die Wahrheit ist eben keine Wellness-Veranstaltung. Die Wahrheit ist ein Berg, auf den man steigen muss – und der Weg dahin ist oft steinig, heiß und schweißtreibend.“

Und so geht es mir auch. Als es während der Bischofsweihe anfing zu regnen, und zwar in Strömen, blieben alle auf ihren Plätzen. Sie waren nicht da, um sich gut zu fühlen, um wertgeschätzt zu werden. Sie waren da, um Gott zu ehren, ihren Glauben zu bezeugen und die Priester und Bischöfe zu unterstützen. Es geht eben, wenn es ums Ganze geht, wie „Der Bewahrer“ sagt, nicht um einen endlosen, ziellosen Dialog, sondern um die „Substanz“.

Bei dem, was während des Zweiten Vatikanischen Konzils geschah, wird immer deutlicher: Es handelt sich nicht um ein „Aggiornamento“, um eine Reform der Kirche und eine Aktualisierung des Glaubens, um offene Fenster, sondern um eine Revolution. Was wird am Ende davon noch von der Kirche übrig sein?

Wir können heute nicht mehr die Märtyrer verstehen, die sich in die Arena warfen. Der Glaube der modernen Kirche besitzt heute keine Kraft mehr. Und damit ist es aus. Ein Beispiel an den Zahlen, Entwicklung im Vergleich 1988 vs. 2026:

19882026
Piusbruderschaft weltweit
Priester205751
Priesterweihen1828
Messbesucher~100.000~600.000
Amtskirche in Deutschland
Mitglieder28,3 Millionen19,2 Millionen (–32 %)
Priesterweihen~30025 (Einbruch um über 90 %)

Es geht um mehr als nur um die Messe. Es geht um den Glauben und unsere europäische Kultur insgesamt. Es geht darum, wo wir lernen, zu unserer Kultur zu stehen, tapfer und treu für Familie und Glauben einzustehen. Wo wir lernen, Ja zu sagen zu dem, was unsere Geschichte und Zukunft ist. Ja zu Ehe, Familie, Kindern und dem Abendland. Denn alle diese großen und feierlichen Ideen blühen aus einem Bewusstsein heraus, das im Opfer und der Liebe liegt, und sie können nicht mit einer Anpassung an weltliche Nutzbarkeit erreicht werden.

Ein Katholik ist niemand, der in erster Linie kalkuliert und berechnet. Er ist jemand, der liebt. Und für diese Liebe braucht man einen Glauben, der Berge versetzen, Löwen zum Schweigen bringen und Tote auferwecken kann. All das beweist die Geschichte des Christentums. Und ich habe mit eigenen Augen gesehen wie all das in der modernen Kirche aufgegebn wurde, ersetzt wurde durch eine „humane Sexualmoral“ eine „Heute-bei-Dir-Pastoral“ oder eine „Kirche, die auf dem Weg ist“. Da aber ist kein Eros und keine Kraft mehr, sondern nur der Wunsch nach einem schmerzfreien Tod.

Aber wozu brauchen wir dann noch eine Kirche? Es geht doch um den brennenden Dornbusch, um das Abenteuer eines unerschütterlichen Glaubens, und nicht bloß um eine kleinbürgerliche Existenz der Absicherung. Wie schreibt der Apostel Paulus:

„Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die vierzig Hiebe weniger einen; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit. Um von allem andern zu schweigen, dem täglichen Andrang zu mir und der Sorge für alle Gemeinden: Wer ist schwach und ich bin nicht schwach? Wer kommt zu Fall und ich werde nicht von brennender Sorge verzehrt? Wenn schon geprahlt sein muss, will ich mit meiner Schwachheit prahlen.“ (2 Kor 11,23–30)

Um solch einen Glauben und solch eine Liebe möchte ich beten. Die Bischofsweihen sind mir ein Anlass, das wieder mehr zu tun. Und genau deshalb bleibe ich bei der Tradition und gehe weiterhin bei der Piusbruderschaft zur Messe. Ich danke Gott, dass es sie gibt.

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